GELD. MACHT. GLAUBE – Reformation und wirtschaftliches Leben

8. September bis 26. November | Beichthaus des Europäischen Hansemuseums | An der Untertrave 1 | Lübeck

© Olaf Malzahn

Ein leises Murmeln empfängt die Besucherinnen und Besucher im Beichthaus des Europäischen Hansemuseums. Es handelt sich um das Vaterunser in lateinischer Sprache – ein Geräusch, das vor 500 Jahren fest zu diesem Ort gehörte. Im Beichthaus des ehemaligen Maria-Magdalenen-Klosters nahmen die Dominikaner-Mönche den Lübeckern die Beichte ab. Gleichzeitig waren sie in das Geschäft mit dem Ablass involviert. Schon beim Ablasshandel ging es Anfang des 16. Jahrhunderts ums Geld. Während sich die Gläubigen von ihren Sünden freikaufen wollten, rieben sich die römische Kirche und zahlreiche Fürsten angesichts der enormen Einnahmen die Hände. Luthers Vorwurf gegen die Kirche zielte somit auch auf einen wirtschaftlichen Betrug.


Die dritte Sonderausstellung Geld. Macht. Glaube des Europäischen Hansemuseums, die gemeinsam mit dem Historiker Dr. Tillmann Bendikowski von der Medienagentur Geschichte realisiert wurde, greift die ökonomischen Aspekte der Glaubensspaltung auf und widmet sich damit einem bislang wenig betrachteten Teil der europäischen Geschichte. Anhand von Schautafeln, zwei Touchscreens und ausgewählten Exponaten, die u.a. aus dem St. Annen-Museum Lübeck stammen, wird aufgezeigt, welche Folgen die Reformation für Wirtschaft und Handel in Europa besaß.
Mit der Reformation begann zugleich der Streit um den wertvollen Besitz der Kirche: Wem gehörten eigentlich die Klöster und die vielen anderen Immobilien der Kirche? Was sollte aus dem Schatz der Kirchen werden? Dieser Streit wurde zwischen dem protestantischen und katholischen Lager gerade in Deutschland erbittert geführt – es ging um viel Geld.


Über ein besonderes Exponat eröffnet die Schau dabei auch einen Lübeck-Bezug: Eine vergoldete Monstranz aus der Zeit um 1500, die einst der Vernichtung des Lübecker-Kirchenschatzes entging, weil sie aus Kupfer bestand, erzählt heute vom Umgang mit dem Kirchenbesitz in der Hansestadt.


Von Exkursen in die Lübecker Geschichte abgesehen hat sich die Ausstellung insbesondere einer europäischen Perspektive verschrieben, denn der Kontinent erlebte zahlreiche Reformationen, und früh waren Religionsflüchtlinge eine europäische Realität. Diese Fluchtbewegungen veränderten ihrerseits die Wirtschaftswelt – Migranten brachten technisches Knowhow in ihre neuen Heimaten und manche Herrscher setzen daher aus ökonomischer Vernunft auf eine intelligente Einwanderungspolitik, andere auf strikte Abschottung. Doch dar- über hinaus markierte die Glaubensspaltung den Beginn einer religiösen Toleranz in Europa. Für diese gab es praktische Gründe: Je toleranter ein Land auftrat, desto besser war es für seine ökonomische Entwicklung. Eine Einsicht, die heute wieder aktueller denn je ist.

 

© Olaf Malzahn

Dank des interaktiven Ausstellungsdesigns sind am Ende der Ausstellung die Besucherinnen und Besucher gefragt: Sie haben die Gelegenheit, anhand von neun Fragen ihre persönliche Einschätzung über die Reformation und den heutigen Zusammenhang von Geld und Glauben mitzuteilen.
Ein umfangreiches Rahmenprogramm setzt die Auseinandersetzung mit dem Reformationsjubiläum fort. Erstmals werden für diese Sonderausstellung auch öffentliche Führungen angeboten und Gruppen haben die Möglichkeit, sich für diese anzumelden. Der Ausstellungseintritt beträgt 5,- Euro (ermäßigt 2,50 Euro), zugleich gibt es attraktive Kombi-Preise mit der Dauerausstellung und dem Baudenkmal Burgkloster. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband, der für 13,80 Euro im Museumsshop erhältlich ist und Platz für eigene Notizen bietet.

Die Ausstellung findet statt im Rahmen von: Luther 2017 – 500 Jahre Reformation.

Begleitprogramm (Auswahl)

Sa | 7.10. | 16:00 Uhr | Sa | 4.11. | 15:00 Uhr
Kuratorenführung durch die Ausstellung mit Dr. Tillmann Bendikowski
Treffpunkt: Beichthaus
Kosten: 4,- Euro plus Eintritt.

Di | 10.10. | 19:00 Uhr
Alhambra, Lesung mit Kirsten Boie für Jugendliche und Erwachsene
Kosten: 7,-, erm. 5,- Euro.

Sa | 11.11. | 10:00 bis 17:30 Uhr
Den Papst und den Teufel zu ärgern… – Luther in der Literatur, Tagung des Buddenbrookhauses, des Günter-Grass-Hauses und des Europäischen Hansemuseums mit anschließender Podiumsdiskussion
Eintritt frei

So | 26.11. | 17:00 Uhr
Finissage der Sonderausstellung »Geld. Macht. Glaube«, Abschluss und Fazit mit dem Kurator Dr. Tillmann Bendikowski
Eintritt frei

Öffentliche Führungen
Oktober 3.10. | 12.10. | 17.10. | 26.10. | 31.10.
November 9.11. | 14.11. | 23.11.
jeweils 17:00 Uhr, Kosten: 4,- Euro plus Eintritt, Gruppenführungen auf Anfrage.
Anmeldung für alle Veranstaltungen im Europäischen Hansemuseum unter
invitation@hansemuseum.eu und Tel. +(49) 451 80 90 99 0.

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