Neue Sonderausstellung „Im Westen nichts Neues“ – Remarques Roman in Text und Bild

Laufzeit: 25. Januar bis 15. April 2018 | Buddenbrookhaus | Lübeck

Auge, Im Westen Nichts Neues © Peter Eickmeyer

„Im Westen nichts Neues“: Der Titel des berühmtesten Buchs von Erich Maria Remarque ist mittlerweile selbst zu einem pazifistischen Schlagwort geworden. Sein klares Plädoyer gegen den Krieg ist heute zeitgemäßer denn je. Mit Übersetzungen in über 60 Sprachen ist „Im Westen nichts Neues“ eines der meistverkauften Bücher weltweit und gilt als Ikone des Antikriegs-Romans. Übersetzt wurde es aber nicht nur in andere Sprachen, sondern in Form von Verfilmungen, Hörspielen und Theaterfassungen ebenso in verschiedene Medien. So bleibt Remarques Roman inhaltlich, aber auch durch neue Bearbeitungen stets aktuell.


In der neuen Sonderausstellung des Buddenbrookhauses Im Westen nichts Neues – Remarques Roman in Text und Bild (Laufzeit: 25.1.–15.4.2018) in Kooperation mit dem Erich Maria Remarque-Friedenszentrum werden der Autor Remarque und die Entstehung und Rezeption von „Im Westen nichts Neues“ in Bild und Text vorgestellt. Außerdem werden Originalbilder der gleichnamigen Graphic Novel von Peter Eickmeyer und Gaby von Borstel (2014) zu sehen sein, die wesentliche Motive des Originalromans aufgreift, vertieft und weitererzählt – der Roman wird so in der Übertragung in ein anderes Medium neu erfahrbar. „Die Ausstellung wählt mit der Graphic Novel bewusst einen Bereich, in dem Literatur und bildende Kunst zusammentreffen – und in dem der Roman über den Ersten Weltkrieg aus heutiger Sicht betrachtet wird. Zwischen dem Ersten Weltkrieg und uns liegen 100 Jahre – trotzdem mahnen Roman und Graphic Novel eindringlich vor den Grausamkeiten des Krieges und erinnern an die Notwendigkeit einer engagierten Friedenspolitik“, so Dr. Birte Lipinski, Leiterin des Buddenbrookhauses. Die neue Sonderausstellung wurde der Öffentlichkeit am heutigen Vormittag im Rahmen eines Pressetermins vorgestellt.

Erich Maria Remarque wird 1898 als Erich Paul Remark in Osnabrück geboren. 1916 wird er in die Armee eingezogen und nach einem Jahr Ausbildung an die Westfront geschickt. Am 31. Juli 1917 wird der erst 19-Jährige durch Artilleriebeschuss verwundet und kommt in ein Lazarett in Duisburg, wo er bis zum 31. Oktober 1918 bleibt. Vor Kriegsende muss er nicht mehr an die Front. Bereits im Lazarett entstehen die ersten Entwürfe zu „Im Westen nichts Neues“. Nach Kriegsende beendet Remark eine Ausbildung zum Lehrer und arbeitet ab 1921 als freier Journalist und Schriftsteller. Im selben Jahr benennt er sich in ‚Erich Maria Remarque‘ um. Erst im Herbst 1927 erfolgt die Rückkehr zum Kriegsthema und Remarque nimmt die Arbeit an „Im Westen nichts Neues“ wieder auf. Der Roman erscheint 1928 als Vorabdruck in der Vossischen Zeitung und 1929 in Buchform: Protagonist ist der junge Gymnasiast Paul Bäumer, der als Soldat im Ersten Weltkrieg (1914–1918) kämpft. Er berichtet von den Schrecken der Front, von der Schwierigkeit, in die Gesellschaft zurückzukehren, aber auch vom Miteinander unter den Kameraden: Der Krieg verändert sie alle.

Gasmaske, Im Westen nichts Neues © Peter Eickmeyer

Innerhalb von elf Wochen erreicht Remarques Roman laut Verlagsangaben eine Auflage von 450.000 Exemplaren und erlangt einen bis dahin beispiellosen Erfolg auf dem deutschen und internationalen Buchmarkt. Noch im selben Jahr wird „Im Westen nichts Neues“ in 26 Sprachen übersetzt. Obwohl der Roman auf Anhieb zur Sensation wird, löst er zugleich auch heftige Kontroversen aus: Es geht um die Bewertung des Ersten Weltkriegs und damit um Gegenwart und Zukunft der Weimarer Republik. Politisch rechte wie linke Kräfte attackieren den Text und stellen vor allem seine Glaubwürdigkeit in Frage, während die liberale Mitte nicht zu einer einheitlich befürwortenden Position findet. Für Remarque bedeutet der große Erfolg seines Romans aber den Verlust seines Wohnortes: Weil er in Deutschland von den Nationalsozialisten bedroht wird, verlässt Remarque Deutschland im Jahr 1931 und zieht in die Schweiz. Die Aufführung der Verfilmung verhindern 1930 SA-Verbände, 1933 werden seine Romane öffentlich verbrannt. Remarque selbst publiziert weitere politische Bücher, im Exil zunächst in der Schweiz, dann in den USA. Wie Thomas Mann kehrt er nicht nach Deutschland zurück. Mit der Familie Mann teilt Remarque somit die frühe Positionierung gegen den Nationalsozialismus und das Exilschicksal. „Im Westen nichts Neues“ gilt bis heute als der große Antikriegsroman. Auch 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bietet der Roman immer noch Anlass für die Beschäftigung mit den Leiden des Krieges, mit der Frage nach dem gesellschaftlichen Übergang vom Krieg zum Frieden und der Rolle von Kunst als Gesprächsanlass für politische Themen. Die Ausstellung stellt den Autor Erich Maria Remarque vor und präsentiert Dokumente zur Publikation und Rezeption des Romans. „Wir zeigen neben Dokumenten auch Buchexemplare. Mein persönliches Highlight dabei sind die Lesespuren, die man in den alten Büchern findet: Anstreichungen, Notizen oder sogar ein eingeklebtes Gedicht. Das ist für mich das beste Beispiel der anhaltenden Relevanz des Buches,“ so Ira Klinkenbusch, Kuratorin der Ausstellung.

Neben den Übersetzungen und Verfilmungen ist „Im Westen nichts Neues“ Gegenstand verschiedenartiger medialer Bearbeitungen. Eine davon ist die Graphic Novel „Im Westen nichts Neues“ von Peter Eickmeyer und Gaby von Borstel (2014), deren Originalbilder in der Ausstellung gezeigt werden. Der Illustrator Peter Eickmeyer hat nach aufwendigen Recherchen eine Graphic Novel gezeichnet, die auf der von Gaby von Borstel bearbeiteten und gekürzten Textfassung von „Im Westen nichts Neues“ beruht. Darin setzt Peter Eickmeyer die von Remarque beschriebenen Szenen und Personen grafisch um und greift die wesentlichen Motive des Originalromans auf. Die Graphic Novel verbindet dabei die verschiedenen Medien Literatur, Film, Malerei und Fotografie und bezieht sich auf kulturhistorisch bekannte Motive wie beispielsweise das Klatschmohnfeld, das zu einem der zentralen Symbole für das zehntausendfache anonyme Sterben auf den europäischen Schlachtfeldern wurde. Zugleich zitiert Eickmeyer Arbeiten von Pablo Picasso und Otto Dix sowie historische Fotografien. Damit wird das Bildgedächtnis des Ersten Weltkrieges, aber auch das des modernen Krieges allgemein in die Grafiken integriert.

Mohnfeld, Im Westen nichts Neues © Peter Eickmeyer

Die Originalbilder der Graphic Novel werden in der Ausstellung mit einzelnen Passagen aus dem Roman kommentiert und durch Skizzen und Entwürfe des Künstlers ergänzt. So treten der Roman (1929) und die Graphic Novel (2014) in einen auch räumlich erfahrbaren Dialog. Dieser Zugang ermöglicht den Leserinnen und Lesern neue Perspektiven auf den Klassiker, vertieft wesentliche Aspekte und macht die historischen Ereignisse auf andere Weise erfahrbar als der Roman. Die Graphic Novel stellt damit nicht nur eine Übertragung in ein anderes Medium dar, sondern zugleich auch eine neue Interpretation des Romans. Die Reflektion über das Medium Graphic Novel leitet zudem zu der Frage, inwiefern (Bild-)Medien Krieg und Gewalt darstellen können und sollen. „Es geht uns darum, nicht nur das Buch selbst, sondern vor allem die mit dem Inhalt verbundenen Bilder und Szenerien, die beim Lesen entstehenden Vorstellungswelten in der Ausstellung zu präsentieren. Deshalb nehmen Peter Eickmeyers Originale den größten Stellenwert ein und treten sozusagen in einen Dialog mit den Buchseiten selbst. Bemerkenswert finde ich dabei vor allem das auch im Buch vorkommende Nebeneinander von friedlichen, fast idyllischen Naturszenerien und den intensiven, nahegehenden Frontdarstellungen,“ so Ira Klinkenbusch.

Ein Lektürebereich mit weiteren Graphic Novels auch zu zeitgenössischen Konflikten regt die Besucherinnen und Besucher an, sich mit aktuellen Fragen zu ziviler Konfliktprävention und dem Verhältnis von Gewalt und Medien auseinanderzusetzen. Anlässlich der hundertjährigen Wiederkehr des Kriegsendes 1918 lässt sich der gesellschaftliche und persönliche Weg vom Krieg zum Frieden reflektieren. Ein wesentlicher Auftrag des Projekts ist die politische Bildung: Die Ausstellung soll insbesondere Schülerinnen und Schüler ansprechen; außerdem sind begleitende Veranstaltungen in Kooperation mit Lübecker Schulen geplant.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Osnabrück; die Originalgrafiken sind Leihgaben der Sparkassenstiftung Niedersachsen. Die Ausstellung wird kuratiert von Ira Klinkenbusch, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Buddenbrookhaus im Rahmen des Programms PriMus – Promovieren im Museum.

Rahmenprogramm

Mittwoch | 24.1.18 | 19:30 Uhr | St. Marien gegenüber dem Buddenbrookhaus
Vernissage:
Mit Celloklängen eröffnet die Sonderausstellung „Im Westen nichts Neues“ an einem besonderen Ort: in der Lübecker Marienkirche, die seit ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg an die Sinnlosigkeit des Krieges erinnert. Anschließend findet ein Empfang im Buddenbrookhaus statt. Nach einem Grußwort von Dr. Birte Lipinski, Leiterin des Buddenbrookhauses, führt Dr. Thomas Schneider, Leiter des Erich Maria Remarque-Friedenszentrums Osnabrück in die Thematik ein. Anschließend findet ein Empfang im Buddenbrookhaus statt. Hier erzählen Lioba Meyer, frühere Vorsitzende der Remarque-Gesellschaft, und Peter Eickmeyer, der Verfasser der Graphic Novel „Im Westen nichts Neues“, von ihrer Arbeit und signieren Bücher: Jedes Buch erhält eine individuelle Zeichnung. Danach führt die Kuratorin Ira Klinkenbusch in die Ausstellung ein. Die Vernissage findet in Kooperation mit der Marienkirche und der Musikhochschule Lübeck statt. Der Eintritt kostet für Erwachsene / Ermäßigte / Kinder: 7,50 / 3,50 / 2,50 Euro.

Nebel, Im Westen Nichts Neues © Peter Eickmeyer

Freitag | 16.2.18 | 19:30 Uhr | Buddenbrookhaus
Lesung mit Hans Pleschinski
Hans Pleschinski erzählt in „Wiesenstein“, seinem nächsten großen Dichterroman nach dem Thomas Mann-Roman „Königsallee“, erschütternd und farbig, episodenreich und spannend vom großen, genialen Gerhart Hauptmann, von Liebe und Hoffnung, Verzweiflung und Angst. Er erzählt vom Ende des Krieges, dem Verlust von Heimat, von der großen Flucht, vergegenwärtigt eine Welt, die für uns verloren ist, und das Werk Gerhart Hauptmanns, auch mit unbekannten Tagebuchnotizen. Der Eintritt kostet 9,- Euro (ermäßigt 7,- Euro).

Samstag | 14.4.18 | 15:00 Uhr | Buddenbrookhaus
Finissage
Der Comicautor Sylvain Mazas hat drei Monate im Libanon gelebt. Aus seinen Erfahrungen in dieser Zeit hat er das Buch „Dieses Buch sollte mir gestatten den Konflikt in Nah-Ost zu lösen, mein Diplom zu kriegen und eine Frau zu finden“ geschrieben und gezeichnet. Entstanden ist ein zugleich humorvoller wie tiefgründiger Guide für Weltverbesserer. Dieses gleichermaßen politische wie philosophische Buch präsentiert Sylvain Mazas im Rahmen eines „Illustrated Reading“, in dem er seine Gedanken parallel zeichnet und erklärt. Der Eintritt kostet 9,- Euro (ermäßigt 7,- Euro).

Adresse: Buddenbrookhaus, Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum, Mengstraße 4, Lübeck.

Eintrittspreise:
Erwachsene 7,- Euro / ermäßigt 3,50 Euro / 6-18-Jährige 2,50 Euro / Kinder unter 6 Jahren frei

Öffnungszeiten:
1.1. - 31.1., Dienstag bis Sonntag, 11:00 bis 17:00 Uhr
1.2. - 31.3., Montag bis Sonntag, 11:00 bis 17:00 Uhr
1.4. - 31.12., Montag bis Sonntag, 10:00 bis 18:00 Uhr

Foto: Am Wehr, Im Westen nichts Neues, © Peter Eickmeyer

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