Von Keller-Stiftung schenkt dem Günter Grass-Haus anlässlich ihres 25jährigen Bestehens die Gipsform der Bronzefigur "Huhn" von Günter Grass.

© Witzke

Die von Keller-Stiftung zur Förderung von Kunst und Kultur in der Hansestadt Lübeck feiert in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass ermöglichte sie dem Günter Grass-Haus den Ankauf einer frühen bildhauerischen Arbeit von Günter Grass. Es handelt sich um das Gipsmodell eines "Huhns", das Grass in jungen Jahren fertigte. Später kam es in den Besitz eines privaten Sammlers, dessen Mutter mit Grass während seiner Düsseldorfer Studienzeit in einem Künstlerkreis befreundet war. Jetzt bot er die Gipsfigur dem Günter Grass-Haus bevorzugt an.


Mithilfe der von Keller-Stiftung wurde das wertvolle Kunstwerk erworben und von den Vorstandsmitgliedern Claus Strätz, Dr. Ada Kadelbach und Dr. Gerd Kelbling an den Leiter des Günter Grass-Hauses, Dr. Jörg-Philipp Thomsa, übergeben.
Thomsa zeigte sich hocherfreut, als er am 11.11. dies ganz besondere Geschenk in Händen hielt. Er betonte, wie ideal es den Sammlungsschwerpunkt früher bildkünstlerischer Arbeiten ergänze. Es seien überhaupt nur zwei Gipsskulpturen aus Grass' Düsseldorfer Zeit bekannt, die aber auf dem freien Markt nicht zu haben sind.

Die Gründung der von Keller-Stiftung begann vor 25 Jahren mit einem Telefonanruf bei der Hansestadt Lübeck. Eine langjährige Einwohnerin erklärte, dass sie aus Altersgründen mit der Verwaltung und Vermietung ihrer Immobilien in der Lübecker Altstadt überfordert sei und deshalb der Stadt ihre drei Häuser schenken wolle. In persönlichen Gesprächen konnte die bereits 92jährige Antiquitätensammlerin Eva von Keller für den Gedanken gewonnen werden, ihr Vermögen zum nachhaltigen Wohle der Stadt und ihrer Kultur in eine Stiftung einzubringen.

Am 6. September 1994 wurde die von Keller-Stiftung als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Lübeck notariell beurkundet. Zweck der Stiftung ist die „Förderung von Kunst und Kultur in der Hansestadt Lübeck durch kulturelle Einrichtungen in städtischer oder freier Trägerschaft“. Das Stiftungsvermögen bestand aus Wertpapieren und den drei bebauten Grundstücken in Rippenstraßen der Lübecker Altstadt. Die Stifterin erhielt lebenslanges unentgeltliches Wohnrecht, Leibrente, Kranken- und Pflegekosten sowie Grabpflegekosten für 20 Jahre. Als Stiftungsvorstand, der noch heute die Geschäfte führt, wurden die drei damaligen Amtsleiter Claus Strätz (Liegenschaften) als Vorsitzender sowie Dr. Ada Kadelbach (Kultur) und Dr. Gerd Kelbling (Finanzen) als stellvertretende Vorsitzende bestellt. Im Rahmen einer Vermögensumschichtung wurden die sanierungsbedürftigen Immobilien nach dem Tod der Stifterin Ende 1997 veräußert. Das Stiftungsvermögen beträgt seitdem ca. 900.000 €, aus dessen Zinserträgen bisher über 120 Maßnahmen mit insgesamt 550.000 € gefördert werden konnten. Davon gingen 327.000 € (ca. 60%) an städtische Kultureinrichtungen und 223.000 € (ca. 40%) an freie und kirchliche Träger.


25 Jahre Kulturförderung

Die erste Förderung überhaupt galt der Rückkehr einer Inkunabel in die Stadtbibliothek nach Kriegsverlust. Es handelt sich um den berühmten Kommentar zur Philosophie des Aristoteles von Johannes Versor, Lyon 1489. Auch die Wiederbeschaffung der Lübecker Kirchenordnung (1543) von Hermann Bonnus, dem Gründungsrektor des Katharineums und dem ersten Superintendenten der Stadt, wurde aus Stiftungsmitteln ermöglicht.

Förderungsschwerpunkte waren vor allem die städtischen Museen: Buddenbrookhaus, Günter Grass-Haus, Burgkloster, Museumsquartier St. Annen sowie das Museum für Natur und Umwelt, die Völkerkundesammlung und das Behnhaus. Sie erhielten Zuschüsse für Dauer- und Sonderausstellungen sowie zur Anschaffung von Besucherstühlen, Vitrinen u.ä. Mit ihren Zuschüssen zur Restaurierung der kunsthistorisch besonders bedeutenden Katharinenkirche sorgte die von Keller-Stiftung dafür, dass die dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen nicht abrissen und in die millionenschwere Förderung des Bundes aufgenommen wurden.

Ein weiterer Schwerpunkt lag in der "Stadt der Kirchenmusik" bei der Unterstützung von Aufführungen großer geistlicher Werke nicht nur in den Innenstadtkirchen, sondern auch in den Stadtteilen Moisling, Kücknitz und Travemünde. Ohne Drittmittel könnten dort Bachs Weihnachtsoratorium, Händels Messias oder Mozarts Krönungmesse niemals aufgeführt werden. Speziell gefördert wurden Aufführungen von Werken bedeutender Lübecker Komponisten, die die von Tunder und Buxtehude begründete Tradition der berühmten "Abenmusiken" weitergeführt haben. Aber auch weltliche Musikereignisse wie das internationale „Sea Song Festival“ in der Schiffergesellschaft, das europaweite Projekt „Klang der Kulturen“ oder die experimentelle Konzertreihe „Klangrauschen“ erfuhren finanzielle Unterstützung.

Bei den Freien Theatern (Combinale, Partout, TanzOrtNord, Figurentheater, Tribühne) wurden ebenfalls Ausstattung, Produktionen und das 1.–5. Kindertheaterfestival gefördert. Die Musik- und Kunstschule konnte sich über die Ausstattung von Schulklassen mit Musikinstrumenten freuen, das Kommunale Kino über einen neuen Vorhang und DEFA-Komödien, der Werkhof über Stühle, Beschallung und einen neuen Anstrich sowie der Kulturverein „Kücknitz(er)leben“ über einen Jugendaustausch mit Israel. Schließlich erhielten auch die Ausstelllungen der GEDOK sowie die theaterpädagogischen Sommercamps des Theater Lübeck und die kunstpädagogischen Projekte der Montessorischule die erbetene Förderung.

Die Bandbreite ist also groß und reicht finanziell von einem Zuschuss von 250 € für ein kleines Kirchenkonzert im Stadtteil Kücknitz bis zu den ganzjährigen Kantatenzyklen, die von der von Keller-Stiftung angestoßen und mit insgesamt 50.000 € gefördert wurden. Mehrere Jahre lang erklang an jedem Sonn- und Feiertag reihum in einer der zahlreichen Lübecker Kirchen eine Bach- oder Buxtehude-Kantate bzw. eine Psalmvertonung.

Zur Beschaffung, Erhaltung und Präsentation der Lübecker Kunstschätze sowie zur Förderung des reichen kulturellen Lebens in der Hansestadt sind die Bürgerstiftungen seit jeher von großer Bedeutung gewesen. Angesichts der rückläufigen Zinserträge aus Kapitalanlagen verringert sich auch das jährliche Förderbudget. Deshalb wäre die von Keller-Stiftung dankbar, wenn weitere Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt die Arbeit der Stiftung durch Spenden oder Zustiftungen unterstützten.

« Großes Fest bei freiem Eintritt – „Und wenn schon, dann auch vornehm!“Adventsspaziergang durch das Naturschutzgebiet Südlicher Priwall »