Mit der „Assistierten Ausbildung“ den Abschluss fest im Blick für Betriebe und Azubi

Ali Reza Gholamali (rechts) unterstützt Küchenleiter Takacz Balazs bereits bei vielen Arbeiten.

Ali Reza Gholamali (23 Jahre) wollte schon immer Koch werden. Der Weg bis dahin war weit. Geboren in Afghanistan floh er vor dem Krieg mit seiner Familie als Dreijähriger nach Pakistan. Viel Zeit für Schule blieb ihm nicht, der Lebensunterhalt stand im Vordergrund. 2012 endete seine Flucht in Deutschland. Hier machte er 2015 seinen Hauptschulabschluss an der Gewerbebeschule Nahrung und Gastronomie in Lübeck. Im September 2015 hat sich sein Traum erfüllt: Er startete mit der Ausbildung zum Koch beim Hotel Atlantis in Timmendorfer Strand.

„Ali Reza Gholamali ist sehr motiviert und zuverlässig, kann sich auch ganz gut mit uns unterhalten. Doch mit dem Schreiben zum Beispiel im Berichtsheft, da haperte es ziemlich“, erzählt Küchenleiter Takacz Balazs.

In solchen Fällen kann beispielsweise die Assistierte Ausbildung (AsA) eine gute Möglichkeit sein. „Ein von uns beauftragter Bildungsträger coacht die jungen Leute bis zum Abschluss der Ausbildung. Sie erhalten außerhalb ihrer Arbeitszeit mehrstündige Nachhilfe, zum Beispiel um Sprachdefizite und Bildungslücken zu beheben. Auch bei praktischen Arbeiten wie dem Ausfüllen des Berichtsheftes kann geholfen werden. Über die Wissensvermittlung hinaus ist sozialpädagogische Hilfe möglich, die von der Krisenintervention bis zur Einbindung der Eltern reichen kann. Der Betrieb zahlt die übliche Ausbildungsvergütung. Die Kosten für die gesamte Begleitung und Unterstützung tragen die Arbeitsagentur oder das Jobcenter“, erklärt Markus Dusch, Chef der Agentur für Arbeit Lübeck.

„Der zusätzliche Unterricht und die Prüfungsvorbereitung bringen wirklich was. Meine Zwischenprüfung war kein Problem mehr und die Abschlussprüfung in einem Jahr müsste so auch zu schaffen sein“, blickt Ali Reza Gholamali zuversichtlich in die Zukunft. „Wir sind mit seiner Entwicklung sehr zufrieden. Diese Zusatzbetreuung hätten wir so nicht leisten können. Dafür fehlen in der täglichen Arbeit einfach die Kapazitäten. Ich kann das auch anderen Betrieben nur empfehlen“, resümiert Takacz Balazs. Vier junge Leute werden in seiner Küche sowie eine Hotelfachfrau im kaufmännischen Bereich des Hotels Atlantis ausgebildet. Das seit 2004 von der Familie Cardini geleitete Hotel beschäftigt im Sommer rund 40 Mitarbeiter. In den Wintermonaten sind es um die 20.

Die AsA ist nicht nur für Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine gute Möglichkeit, sondern hilft auch lernbeeinträchtigten oder sozial benachteiligten Schülern, die ohne berufliche Erstausbildung sind. Die jungen Menschen sollten die Ausbildungsreife beziehungsweise Berufseignung besitzen, dabei nicht mehr vollzeitschulpflichtig und in der Regel bei Eintritt unter 25 Jahre alt sein. Die Teilnahme kann vor oder auch bei bereits bestehenden Ausbildungsverhältnissen erfolgen, wenn der Abschluss der Ausbildung gefährdet ist.

„Wenn Sie bei ihrem künftigen Auszubilden nicht sicher sind, ob der junge Mensch den Abschluss schafft, dann informieren Sie sich über die Möglichkeiten der Unterstützung. Wir beraten Sie gerne unter der kostenfreien Hotline 0800 4 5555 20 zu den Fördermöglichkeiten“, wirbt Dusch bei Unternehmen.

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