Ihr neues Programm, mit dem Sie in unserer Stadt gastieren heißt „Jetzt noch deutscherer“ - was darf man sich darunter vorstellen?

© Guido Werners

Ihr neues Programm, mit dem Sie in unserer Stadt gastieren heißt „Jetzt noch deutscherer“ - was darf man sich darunter vorstellen?

Vielleicht haben Sie es mitbekommen – vor kurzem ist mir etwas unglaubliches passiert: ich habe mich einbürgern lassen.

Gratulation!

Danke. Meine französischen Freunde haben etwas anders reagiert (lacht)

Wie war denn die Einbürgerung?

So richtig mit Einbürgerungstest und allem und so. Da werden einem Fragen gestellt, wie „In welchem Jahr wurde die DDR gegründet“? Keine Sorge. Sie werden nicht ausgebürgert, wenn Sie es nicht wissen. Bei mir hat es mit dem Test jedenfalls geklappt – ich bin jetzt Deutsch-Franzose. Und in meinem Programm geht es um meine Einbürgerung und meine jahrelange Liebesaffäre mit Deutschland. Wie Sie jetzt schon wissen, haben wir uns am Ende das Ja-Wort gegeben. Aber es geht auch um den Frieden in Europa, um die verrückte Zeit die wir momentan erleben und darum, was unser Vize-Kanzler mit einem Brand in meiner Küche vor einigen Jahren zu tun hat. Ich würde sagen, es gibt was fürs Herz, für den Kopf und vor allem viel zu lachen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie in Lübeck spielen – kommen Sie gerne hierher?

Sehr sogar. Ich wohne ja eigentlich in Hamburg. Das kennen Sie vielleicht. Das ist ein Vorort von Lübeck. Da ist es zum Glück nicht weit. Lübeck hat für mich seine ganz eigene Atmosphäre. Ein Franzose in Lübeck, das passt – an der Trave sitzen mit einem Glas Rotwein und dazu ein Stück Marzipan, das kann ich Ihnen nur empfehlen. Und überhaupt, wer kann eine Stadt nicht lieben, deren Stadtteile so tolle poetische Namen haben wie Schlutup, Kücknitz und Buntekuh.
Ausserdem ist Lübeck immer für eine Überraschung gut. Ich habe neulich gelesen, dass eine Frau die Polizei in Lübeck angerufen hat, weil ihr der Friseur die Haare nicht richtig gefärbt hat. Zum Glück hat er nicht versucht, ihr die Haare zu schneiden. Sonst hätte die Armee anrücken müssen.

Viele kennen Alfons aus dem Fernsehen von seiner Sendung „Alfons und Gäste“ und natürlich von früher, als er mit oranger Trainingsjacke und übergroßem Puschelmikrofon Straßenumfragen gemacht hat – wie sieht Alfons heute auf der Bühne aus und was macht er?

Die orangene Trainingsjacke werden Sie auch im Theater sofort wiedererkennen. Das Puschelmikro bleibt aber bei „Jetzt noch deutscherer“ zuhause. Niemand muss also Angst haben, interviewt zu werden. Stattdessen kann Alfons auf der Bühne seine Leidenschaft als Geschichtenerzähler ausleben. Ich erzähle da zum Beispiel von meiner Großmutter und was sie im zweiten Weltkrieg erlebt hat, aber vor allem von einem Rätsel, welches sie mir vermacht und dessen Lösung ich lange gesucht habe. Die Zuschauer können sich also überraschen lassen. Aber nochmal zurück zur Jacke; die stammt tatsächlich noch aus der DDR. Ich wollte immer eine Zweite haben, aber ich habe nie eine gefunden. Also falls Ihre Leser genau so eine noch im Schrank hängen haben sollten, immer her damit. Mir war es aber irgendwann zu unsicher, nur dieses eine Exemplar der Jacke zu haben. Also habe ich eine professionelle Modedesignerin und Schneiderin beauftragt, eine Kopie anzufertigen. Sie meinte, die Jacke nachzuschneidern ist kein Problem, aber der Stoff... das ist DDRon, die DDR-Variante von Nylon. Den gibt es nicht mehr. Und schon gar nicht in diesen Farben. Sie hat überall gesucht. Fündig geworden ist sie auf einer Stoffmesse in Mailand. Eine italienische Firma konnte einen ähnlichen Stoff herstellen und färben. Auf die fertige Jacke musste ich dann über ein Jahr warten – eine echte DDR-Jacke halt. Ich wollte dann auch in Ostmark bezahlen. Das fand sie dann nicht so lustig. So, mehr erzähle ich jetzt aber nicht – ich brauche ja noch was, über das ich im Theater reden kann. Ich freue mich auf Euch liebes Publikum!

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