Lübecker Museen: Highlights 2019 im Überblick

Doris Salcedo © David Heald

„Nach der Erfolgsbilanz des vergangenen Jahres legen die Lübecker Museen in 2019 den Fokus auf moderne Kunst. Insbesondere das die ganze Stadt umfassende Kunstprojekt von Jonathan Meese und die Ausstellung der weltweit angesehenen Preisträgerin des Kunstpreises der Possehl-Stiftung Doris Salcedo werden dazu beitragen, Lübeck als Ort der zeitgenössischen Kunst zu etablieren“, gibt sich Prof. Hans Wißkirchen, Direktor der Lübecker Museen, zuversichtlich. Auch die kaufmännische Geschäftsführung, Gabriela Schröder, freut sich auf das kommende Jahr: „Unsere Ausstellungen schaffen ganz neue, zeitgemäße Anreize und verstärken somit auch die internationale Bedeutung der Lübecker Museen.“ Was die Museen der Hansestadt in den nächsten 12 Monaten zu bieten haben - hier ein Überblick:

 

Im Januar stehen gleich zwei Ereignisse im Museumsquartier St. Annen an. Das St. Annen-Museum eröffnet ab 19.1. endlich wieder den Parametenraum und zeigt ausgewählte Stücke aus dem Danziger Mittelalterschatz! Es sind kirchliche Gewänder aus Seide und Samt, mit kostbarster Stickerei geschmückt, die schieres Erstaunen provozieren, wenn sie uns - Jahrhunderte alt - in den Vitrinen entgegen schimmern. Diese prunkvollen Kostbarkeiten sind nun wieder zu bewundern und machen neugierig auf Geschichte und Geschichten des europäischen Schatzes.

 

Die Kunsthalle St. Annen beweist mit einer neuen Ausstellung ab 26.1., dass die heutigen Selfies in ihrer Bedeutung durchaus Selbstportraits vergangener Zeiten ähneln und zeigt parallel dazu auch besondere Werke der Sammlung, wie zum Beispiel "Andy Warhol: Holstentor". Dieses  ist eines der vier Siebdrucke, die der bekannte amerikanische Pop Art-Künstler 1980 für die Reihe „German Monuments“ produzierte.

 

Ebenfalls starten die Kunsthalle St. Annen und das Günter Grass-Haus mit einem Kunstprojekt der ganz besonderen Art: Jonathan Meese kommt nach Lübeck und wird das außergewöhnliche Gesamtkunstwerk »Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)« an verschiedenen Orten präsentieren. Der in Ahrensburg aufgewachsene Künstler prägt inzwischen seit zwanzig Jahren die deutsche moderne Kunst. Die großangelegte Zusammenarbeit zeigt Retrospektiven, Installationen, eigens entwickelte Arbeiten und Performances.

 

Im Buddenbrookhaus wird im Februar die Ausstellung „Herzensheimat?“ neu eröffnet und lässt BesucherInnen im Sommer mit „Ab ins Blaue – Natur in der Literatur“  eine sinnliche Reise durch poetische Landschaften erfahren. Dieses wird vorerst die letzte Ausstellung vor dem Umbau des Hauses sein.

Auch durch die weltweit renommierte Installationskünstlerin und Gewinnerin des internationalen Possehl-Preises Doris Salcedo wird die zeitgenössische Kunst in Lübeck ankommen. Sie beschäftigt sich in Objekten, Skulpturen und großen ortsspezifischen Installationen mit den Auswirkungen von Gewalt und Ausgrenzung in ihrer Heimat Kolumbien und anderen Regionen der Welt. Salcedo arbeitet nicht nur in künstlerischer Hinsicht äußerst umfassend und präzise, sondern auch im Hinblick auf die praktische Umsetzung ihrer Projekte, so bindet sie zum Beispiel Opfer von Gewalt in die Erstellung ihrer Werke ein und verleiht ihnen dadurch eine Stimme.

 

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Mit der Ausstellung „Ferne Welten - weite Träume. Asiatische Theaterfiguren und die Malerei von Haiying Xu“ begibt sich das St. Annen-Museum auf eine poetische Phantasiereise. Das asiatische Verständnis der Welt wird durch Märchen und Traditionen erklärt. Grazilen und furchteinflößenden Charakteren begegnet man hier ebenso wie wilden Tierfiguren. Die Figuren stammen aus dem Theaterfigurenmuseum Lübeck und sind während der Umbauphase ihres Stammhauses Teil dieser ungewöhnlichen Ausstellung. Ihre Verbindung mit den Malereien der chinesischen Künstlerin Haiying Xu eröffnet neue Horizonte.

 

Zusammen mit dem Behnhaus Drägerhaus Museum widmet sich das St. Annen-Museum in einer gemeinsamen Ausstellung auch der Provenienzforschung: Anhand ausgewählter Objekte mit fraglicher Herkunft - von Gotthardt Kuehls „Braudiele“ bis hin zu Silberlöffeln und Tabakstellern - gibt die Ausstellung „Der Herkunft auf der Spur – Museumserwerbungen in der NS-Zeit“ einen Einblick in die Sammlungspolitik der Lübecker Museen der Jahre zwischen 1933 und 1945. Wurden diese Kulturgüter rechtmäßig erworben oder verfolgungsbedingt angeeignet? Die Kabinettausstellung eröffnet einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Provenienzforschung und deren bisweilen detektivische Arbeitsweise. Die Präsentation in zwei Häusern der Lübecker Museumslandschaft ist das Ergebnis eines dreijährigen Forschungsprojekts.

 

Außerdem zeigt das Behnhaus Drägerhaus Museum Porträts von Patienten der Psychiatrie im Hamburger Krankenhaus St. Georg, gezeichnet von Carl Julius Milde. Mit genauem Blick hielt er zwischen 1829 und 1834 die individuellen Eigenarten der Menschen fest. Milde war erster Konservator der Lübecker Kunst- und Naturaliensammlung und gilt zu Recht als Lübecks erster Denkmalpfleger. Eine weitere Ausstellung führt die besten Werke von Max Liebermann und Hans Meid zusammen und zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zweier Künstler auf, deren Wege sich mehrmals kreuzten: Sie teilten den gleichen Kunsthändler und Verleger. Vor allem die Künstlerflugblätter „Kriegszeit“ ist eine prägende Verbindung der beiden.

 

Im Günter Grass-Haus wird die Digitalisierung des Museums voranschreiten. Durch Virtual Reality gelangen die Besucher in die Romanwelt der „Blechtrommel“, die nächstes Jahr 60jähriges Jubiläum feiert. Neben Familienveranstaltungen und vielen Lesungen, wie zum Beispiel von Wilhelm Raabe-Literaturpreisträgerin Judith Schalansky,  wird sich das Haus in der zweiten Jahreshälfte in einer Ausstellung dem Barock im Werk von Günter Grass widmen.

 

Das Museum für Natur und Umwelt zeigt mit Ingo Arndt einen der bekanntesten Tier- und Naturfotografen. Seine Bilder werden von GEO, National Geographic und auch international bei BBC Wildlife veröffentlicht und lassen die BesucherInnen in einer farbenfrohen Fotoausstellung die Vielfalt der Welt der Schmetterlinge bestaunen.

 

Gegen Ende des Jahres wird im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk die Ausstellung „Bügeleisen! Kulturtechnik als Leidenschaft“ eröffnet sowie die „Jahresschau des Berufsverbandes Angewandte Kunst Schleswig-Holstein und Vergabe des Alen Müller-Hellwig“ im St. Annen-Museum. Außerdem wird der internationale Museumstag am 19.5. stattfinden, sowie die Lange Nacht der Museen am 31.8.

Foto: JB Atelier20140411 Meese Berlin Atelier Portrait 228

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